Von der Magie, sich wie ein fucking Rockstar zu kleiden
- 26. Aug. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 19. Apr.
Über heilige Styles, private Glamour-Momente und die Freude, sich für die eigene innere Welt zu kleiden

Es hat etwas herrlich Radikales, in Pailletten die Spülmaschine auszuräumen. Oder sich um 22 Uhr in ‚Fuck around and find out‘-Boots einen Tee aufzubrühen. Zuhause kleide ich mich wie ein Rockstar – nicht, damit mich jemand sieht, sondern weil ich mich selbst so sehe. Weil ich für mich selbst Präsenz zeige. Für die Energie, die ich heraufbeschwören und verkörpern will, und für jene Anteile von mir, die weder ins Meeting noch ins Patriarchat passen. Glamour ist kein oberflächliches Geglitzer, sondern eine Form von Zauberei. Und ganz ehrlich? Für mich ist das pure Magie.
Zwischen Raum geben und Raum einnehmen
Wenn ich in meine berufliche Rolle schlüpfe, wähle ich meine Kleidung bewusst neutral. Schnitte, die Ruhe ausstrahlen. Farben, die Geborgenheit bieten. Ich tue das nicht, um mich unsichtbar zu machen, sondern um die Bühne frei zu geben – für andere, für ihre Rohheit, für ihre Wahrheit. In diesen Momenten öffne und gebe ich meinem Gegenüber einen sicheren Raum, in anderen Momenten ist es passender und gesünder raum für mich selbst einzunehmen.
Was ich damit sagen will ist: Kleidung sendet Signale, immer. Ich entscheide mich im Beratungsraum oder während eines Interviews mit Kandidat:innen oft, die Lautstärke zu drosseln, damit mein Gegenüber spürt: Hier gibt es keinen Dresscode für Akzeptanz. Du darfst poliert sein oder ungeschönt – du bist okay.
So sehr ich die Business-Ästhetik, scharfe Schnitte und die Haltung guter Stoffe schätze – ich möchte mich nicht in den Oberflächlichkeiten der Arbeitswelt verlieren. Ich will nicht darauf festgeschrieben sein. Ich brauche den Raum, mich auch ausserhalb dieser Konventionen zu zeigen. Für mich ist es eine Form von Magie, die Kleidung dem Moment folgen zu lassen. Es ist ein Spiel mit der eigenen Wandlungsfähigkeit. So wähle ich der Situation, aber auch mir selbst entsprechend, bewusst.
Zuhause als Tempel, Kleiderschrank als Altar
Jogginghosen sobald ich von der Arbeit nach Hause kommen? Klar, mache ich oft so. Aber manchmal, wenn es sich richtig anfühlt, kreiere ich meinen eigenen Laufsteg. Manchmal ist es die Seidenbluse. Ein fliessendes Hippie-Kleid mit übergrossen goldenen Ohrringen, die wohl gross genug sind, um Satellitensignale zu empfangen. Mein Stil ist eine Liebeserklärung an die Boheme-Ikonen der 70er Jahre, gepaart mit moderner Hexerei und einem Hauch von Chic.
Ich kleide mich nach meiner Stimmung, nach Ritualen, nach Freude. Schreibe ich? Dann Schultern, die Raum einnehmen, Statement-Ringe, Seide in der Farbe meiner Power. Brauche ich Ruhe? Weiche Stoffe, barfuss, Gewänder, die sich anfühlen wie eine Umarmung. Es geht nicht um Likes, nicht um Blicke, nicht um das Büro. Es geht um ein Ehren meiner selbst. Jedes Mal, wenn ich mich für mich anziehe – selbst wenn ich nur Räucherwerk anzünde und Mails beantworte – verbinde ich mich. Mit Schönheit. Mit Kreativität. Mit der Version von mir, die keinen Erlaubnisstempel braucht, um Raum einzunehmen oder zu funkeln.
Mein Kleiderschrank ist kein Lager. Er ist Zauberei.
Urban Mystic Side Note: Witchy Ästhetik ≠ Hexerei
Lass uns ehrlich sein: Witchy Ästhetik ist hübsch anzuschauen. Schwarzer Samt, Kristalle, ein Pentagramm-Anhänger – klar, das macht was her. Aber: Ästhetik allein macht dich nicht zur Hexe. Wenn die Handlung, die Intention und die gelebte Praxis nicht dazu passen, ist es nur eine Kostümierung. Hübsch, aber leer.
Magie ist kein Instagram-Filter. Es ist die Handlung dahinter, die zählt. Der Zauber entsteht nicht im Samtumhang oder im dramatischen Eyeliner – sondern in der Energie, die du damit setzt. Ohne Intention ist Glamour nur Deko. Mit Intention ist Glamour Zauberei.
Glamour-Magie, Darling
Lass uns kurz hexen: Glamour-Magie ist die Kunst der Verwandlung. Nicht Täuschung, nicht Maskerade. Sondern das Verkörpern einer Version von dir, die bereits im Potenzial existiert – und sie ans Licht holen.
Das Beste daran? Du musst das nicht für Instagram, für den Chef oder für den Spiegel tun. Dich privat mit Liebe und Kreativität anzuziehen, ist ein Akt der Souveränität. Eine leise Rebellion. Eine Erinnerung daran: Ich bestimme, wie ich meine Energie kleide.
Du schuldest niemandem dein Funkeln (jeden Tag)
Es gibt Tage, da will ich gesehen werden. Und es gibt Tage, da ist das Mächtigste, was ich tun kann, mein Funkeln zu schützen. Es heilig zu halten. Für mich zu behalten.Denn nur weil etwas schön ist, muss es nicht öffentlich sein.
In einer Welt, die uns permanent zur Sichtbarkeit drängt, kann es ein feministischer Akt sein, etwas zurückzuhalten. Eine Geste der Zärtlichkeit. Ein stiller Aufschrei gegen die Objektifizierung: Ich bin kein Produkt. Ich bin ein Mensch.
Schlussgedanken: Zieh dich an, als würde niemand zuschauen (weil niemand zuschaut)
Es ist pure Power, dich zuhause wie deinen inneren Rockstar zu kleiden. Ohne Publikum. Ohne Likes. Ohne Applaus. Nur du, deine Absicht und das Ritual, dich als das multidimensionale Wesen zu schmücken, das du bist.
Also los. Zieh die Stiefel in der Küche an. Eyeliner um Mitternacht. Das Parfum, das nur deine Wände riechen. Mach es nicht, trotzdem. Mach es, genau deswegen.
Weil es Magie ist.
Weil es Freude ist.
Weil du kannst.



.png)
Kommentare