Ein Ruhiger Morgen mit Göttin Brigid
- Nicole

- vor 3 Tagen
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Es ist noch früh. Die Stadt schläft noch halb. Ich tapse barfuss in die Küche wie in einen Tempel mit Wasserkocher, den ich gähnend anschalte um mir meinen Tee vorbereiten zu können. Während ich warte, geniesse ich diese ganz besondere Stille am morgen, die mir jeweils ein Gefühl von Geborgenheit gibt. Ich zünde eine Kerze an, denn bevor der Tag so richtig in die Gänge kommt, habe ich vor die Stille für eine sanfte Aufrufung zu nutzen. „Brigid“, sage ich leise und warte.
Die Flamme flackert. Ich werte das als Präsenz. Oder als stilles Ich bin schon da, du musst mich nicht erst wecken. „Gut“, murmele ich, „dann sparen wir uns das Tamtam eines grossen Rituals.“
Brigid ist keine ferne, unnahbare Göttin. Sie ist eine der ältesten Gestalten der keltischen Welt, Hüterin des Feuers und der Quellen, Göttin der Heilung, der Poesie und des Handwerks. Man sagt, sie trägt das heilige Feuer in sich – das Feuer der Inspiration, der Würde und der inneren Kraft. Und gleichzeitig hütet sie das Wasser – die sanfte Medizin, die beruhigt, klärt und erinnert.
Sie ist die Göttin der Schmied:innen und der Dichter:innen, der Heiler:innen und der Hebammen. Von all jenen also, die etwas formen, etwas begleiten, etwas zur Welt bringen. Nicht mit Druck. Sondern mit Hingabe.
Ihr Fest ist Imbolc, Anfang Februar. Die Zeit des ersten Lichts im Winter. Der ersten Milch. Der ersten Ahnung von Neubeginn. Nicht Frühling. Aber das Versprechen darauf. Vielleicht fühlt sie sich deshalb so nah an. Weil sie nicht in Tempeln wohnt, sondern im Alltag. In Küchen. In Werkstätten. In Körpern, die lernen, sich wieder zu vertrauen.
Der Wasserkocher rauscht im Hintergrund, dieses sehr un-mystische Geräusch, das trotzdem irgendwie dazugehört. Wie ein urbaner Trommelschlag. Ich lehne mich an die Küchenzeile und lasse den Blick auf der Kerze ruhen. Die Flamme steht ruhig. Nicht spektakulär, nicht aufgeregt. Mehr wie jemand, der zuhört, ohne zu drängen.
„Also“, sage ich leise, „es geht um Heilung und mein Heilungswunsch ist simpel: Weniger Härte. Mehr Selbstmitgefühl. Und ein Nervensystem, das nicht ständig denkt, es müsste die Welt retten.“
„Und dann ist da noch das hier“, sage ich leise.„Mein Fuss. Der besser wird. Und dann wieder nicht. Der mich daran erinnert, dass Heilung kein gerader Weg ist, sondern eher ein Tanz zwischen Hoffnung und Geduld.“ Die Flamme bleibt ruhig. Unbeeindruckt von meiner inneren Hektik. Wie eine, die genau das schon tausendmal gesehen hat.
„Ich glaube, ich habe unterschätzt, wie sehr körperliche Heilung auch Vertrauen braucht“, fahre ich fort.„Nicht Kontrolle. Nicht Druck. Sondern dieses tiefe Einverständnis mit dem eigenen Tempo.“ Ich bewege den Fuss minimal. Achtsam. Nicht prüfend, nicht misstrauisch. Mehr wie ein leises Nachfragen: Wie geht es dir heute?
„Manchmal will ich dich antreiben“, gebe ich zu.„Dich schneller machen. Dich korrigieren. Dich optimieren.“Ich grummle leise vor mich hin. Die Flamme flackert kurz. Fast wie ein trockenes Lachen aus Feuer.
Ich lege eine Hand auf meinen Fuss. Warm. Präsent. Ohne Erwartung. Wenn du die Göttin der Heilung bist“, murmele ich, „dann bist du keine Reparaturwerkstatt. Dann bist du die Erinnerung daran, dass mein Körper kein Gegner ist.“ Das fühlt sich plötzlich sehr wahr an. Fast erschreckend einfach. „Vielleicht ist Heilung gerade nicht: Wann bin ich endlich wieder ganz? Sondern: Wie liebevoll kann ich jetzt schon mit mir sein?“
Grad in diesem Moment klickt der Wasserkocher. Fertig. Ein Timing, das fast schon poetisch ist. Ich giesse das Wasser in meine Tasse, der Dampf steigt auf wie ein kleines Opfer an den Morgen. Wasser für die Quelle. Feuer für die Flamme. Imbolc in einer Stadtwohnung.
Ich hebe die Tasse leicht an, wie zu einem stillen Versprechen. Kein Gelübde. Kein Vertrag. Nur ein Einverständnis. „Dann gehen wir das so an“, sage ich leise.„Du mit deinem Feuer. Ich mit meiner Geduld. Mein Körper mit seinem eigenen Zeitgefühl.“ Die Flamme bleibt ruhig. Nicht zustimmend .Nicht ablehnend. Einfach da. Und genau das fühlt sich nach Heilung an: Nicht beschleunigt. Nicht perfektioniert. Sondern begleitet.
Und vielleicht ist genau die wahre Stärke der Brigid-Magie: Nicht Heilung als Ereignis, sondern Heilung als Beziehung.




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