Das Fest von Imbolc – Wenn die Erde wieder zu atmen beginnt
- Nicole

- 24. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Es gibt einen Moment in jedem Jahr, in dem sich das Licht verändert. Die Luft trägt noch den kühlen Atem des Winters, und doch liegt etwas Sanftes darin – ein Versprechen statt einer Warnung. Es ist subtil, fast geheim: Knospen, die unter der Rinde anschwellen, das erste Vogelgezwitscher, der zarte Duft tauender Erde. Das ist Imbolc, das Fest des Erwachens und des Lichts – der leise Herzschlag zwischen Winter und Frühling.

Etymologie: „Im Bauch“ der Erde
Der Name Imbolc (auch Imbolg oder Oímelc) stammt aus dem Altirischen und bedeutet vermutlich „im Bauch“. Er bezieht sich auf trächtige Schafe – und im übertragenen Sinn auf die Erde selbst, die neues Leben in sich trägt, das noch verborgen ruht.
Eine ältere Form, Oímelc, lässt sich als „Muttermilch der Schafe“ übersetzen – ein Symbol für Nahrung, Erneuerung und die ersten Zeichen von Fülle nach dem langen Winter. Beide Begriffe erzählen dieselbe Wahrheit: Das Leben kehrt zurück – leise, aber unaufhaltsam.
Imbolc markiert den Mittelpunkt zwischen der Wintersonnenwende und der Frühlingstagundnachtgleiche und wird traditionell um den 1. bis 2. Februar gefeiert. Es ist eines der vier grossen Mondfeste im keltischen Jahreskreis – neben Beltane, Lughnasadh und Samhain.
Brigid – Göttin des Feuers, der Poesie und der Heilung
Im Zentrum von Imbolc steht Brigid (auch Bríde oder Brígid) – die leuchtende keltische Göttin des Feuers, der Kreativität, der Fruchtbarkeit, der Dichtkunst, der Schmiedekunst und der Heilung. Sie ist sowohl Inspiration als auch Beschützerin – die Hüterin des Herdes und die Flamme der Seele.
Mit der Ausbreitung des Christentums verwandelte sich ihre Verehrung, verschwand aber nie ganz. Brigid wurde zu St. Brigid von Kildare, einer der meistverehrten Heiligen Irlands. Doch ihre Feste, ihre Symbole und ihr heiliges Feuer tragen bis heute Spuren ihres göttlichen Ursprungs. In Kildare brennt ihre ewige Flamme noch immer – gehütet von den Brigidine-Schwestern, einer Linie der Hingabe, die über tausend Jahre zurückreicht.
Alte Traditionen von Imbolc
In vorchristlicher Zeit war Imbolc ein Fest der Reinigung, beginnender Fruchtbarkeit und des Lichts. Mit den länger werdenden Tagen entzündeten die Menschen Feuer und Kerzen, um die Rückkehr der Sonne zu feiern und Brigids Segen über Haus und Land zu rufen.
Typische Bräuche waren:
✨ Hausreinigung und Segnung, um neue Energie willkommen zu heissen.
🕯️ Kerzen anzünden in jedem Raum, um das Licht zurückzurufen.
🌾 Brigids Kreuze aus Schilf oder Stroh flechten und über Türen hängen – als Schutz- und Glückssymbol.
🛏️ Brigids Bett vorbereiten – ein kleiner Platz für die Göttin, damit sie über Nacht segensreich im Haus ruht.
💧 Heilige Quellen besuchen und Wasser sprengen – als Zeichen von Heilung und Fruchtbarkeit.
In Irland glaubte man, dass Brigid in der Nacht vor Imbolc über das Land zieht, Häuser und Tiere segnet und ihre Spuren in Asche, Tau oder Schnee hinterlässt.
Imbolc in der Stadt – Moderne Wege zu feiern
Du brauchst keine grünen Hügel oder alten Quellen, um Imbolc zu feiern. Der Geist dieses Festes ist Erneuerung, Hoffnung und das stille Zurückkehren des Lichts – Energien, die auch im urbanen Leben spürbar sind.
Ein paar Ideen für eine moderne, städtische Feier:
🌕 Zünde bei Sonnenaufgang oder -untergang eine Kerze an – als Symbol für Neubeginn und zu Ehren von Brigids Feuer.
🕯️ Reinige und kläre deinen Raum – öffne ein Fenster, räuchere mit Rosmarin oder Salbei und lade frische Energie ein.
🪴 Pflege etwas Lebendiges – pflanze neue Samen, topfe eine Pflanze um oder stelle frische Blumen auf.
📖 Schreibe oder kreiere etwas – Gedichte, Texte, Musik oder Kunst. Brigid ist die Göttin der Inspiration; lass sie durch dich wirken.
💧 Segne Wasser, selbst Leitungswasser – berühre damit deine Hände oder deinen Raum als Zeichen von Reinigung und Neubeginn.
🌆 Suche das Licht in deiner Stadt – im Morgenrot zwischen Gebäuden, im Kerzenschein eines Cafés, in reflektierten Fenstern. Spüre, wie das Licht still zurückkehrt.
Imbolc verlangt keine grossen Rituale – es lädt dich ein, auf feine Veränderungen zu achten, das Unscheinbare zu ehren und den Funken zu hüten, bevor er zur Flamme wird.
Ein Moment zwischen den Welten
Imbolc ist das Dazwischen – noch nicht Frühling, aber auch kein Winter mehr. Das Schweigen vor der Schöpfung, der Atemzug vor dem Ausatmen der Erde.
Für alle, die den Weg der urbanen Mystik gehen, ist es eine Zeit, innezuhalten, zuzuhören und Vertrauen zu haben in das, was sich gerade erst formt.Selbst zwischen Beton und Strassenlaternen kannst du es spüren – diesen sanften Puls unter dem Lärm der Welt, der flüstert:Das Leben erwacht.
Das Licht kehrt zurück. Das Feuer erhebt sich. Und irgendwo, tief im Bauch der Erde, nehmen neue Träume nach und nach Gestalt an.




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