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Neubeginn kennt viele Wege: Silvester und andere Jahreswechsel weltweit

  • Autorenbild: Nicole
    Nicole
  • 31. Dez. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Ich laufe durch die engen Gassen der Stadt. Am 31. Dezember, früh morgens, ist alles noch still. Die Strassen sind leer, nur die letzten Gläser vom Vorabend klirren leise in den Hinterhöfen, und ich geniesse diesen Moment der Ruhe. Es ist ein Übergang, ein Atemzug zwischen dem Alten und dem Neuen, den die hektische Feier des bevorstehenden Abends noch nicht erreicht hat. Doch warum feiern wir diesen Tag eigentlich? Warum genau den 31. Dezember? War das schon immer so?



Tatsächlich war es das nicht, denn den Jahreswechsel, so wie wir ihn heute kennen, haben wir – na, wer ahnt es – durch die Christianisierung übernommen. Der Name „Silvester“ stammt vom Papst Silvester I., der im Jahr 335 starb. In vielen europäischen Ländern wurde der letzte Tag des Jahres nach ihm benannt. Feuerwerk, Partys, Mitternachtsküsse – all das, was wir heute mit Silvester verbinden, ist also ein Produkt christlich geprägter Zeitrechnung, kein universelles Naturgesetz.


Doch Menschen haben den Übergang vom Alten zum Neuen schon lange davor gefeiert – nur eben nicht unbedingt am 31. Dezember. Die Römer zum Beispiel begannen ursprünglich im März das neue Jahr. Erst Julius Cäsar verschob den Jahresbeginn auf den 1. Januar, um den Kalender zu korrigieren und symbolisch den Gott Janus, den Wächter von Türen und Übergängen, zu ehren. Die Babylonier orientierten sich am Frühlingsanfang, die Ägypter an der Nilschwemme, und viele Kulturen richteten sich nach Naturzyklen oder landwirtschaftlichen Ereignissen, nicht nach einem festen Datum.


Heutzutage ist das zwar anders: Viele Menschen feiern den Jahreswechsel am 31. Dezember, doch längst nicht alle Kulturen tun das – und selbst heute gibt es zahlreiche Traditionen, die das Jahr zu ganz anderen Zeiten beginnen lassen.


Für manche Heiden beginnt das neue Jahr mit der dunklen Jahreshälfte, also zu Samhain (Halloween/Allerheiligen) im Herbst. Warum? Weil in dieser Zeit die Stadt stiller wirkt, die Welt nach innen gekehrt ist, und Rückzug sowie Innenschau dominieren. Wie ruhende Samen in der dunklen Erde bereitet diese Phase das kommende Wachstum vor – ein stiller, magischer Neubeginn, verborgen und kraftvoll zugleich.


Aber auch andere Kulturen feiern den Jahreswechsel noch heute ganz anders: Im fernen Osten richtet sich das chinesische Neujahr nach dem Mondkalender. Die Strassen füllen sich mit Farben, Trommeln und Drachenfiguren, die die Dunkelheit vertreiben sollen. Familien kommen zusammen, Ahnen werden geehrt, und alles Alte wird symbolisch weggekehrt – ein Neubeginn, der Himmel, Erde und Gemeinschaft verbindet. In Persien markiert Nowruz den Frühlingsanfang, wenn Licht und Wärme zurückkehren. Häuser werden gereinigt, Samen gesät, und es wird gefeiert, dass die Natur erwacht – ein Ritual des Wachstums und der Erneuerung.


Im Herbst, wenn die Welt sich verfärbt und die Luft kühler wird, beginnt Rosh Hashanah, das jüdische Neujahr. Es ist eine Zeit der Reflexion, der Rechenschaft und der inneren Einkehr – ein spiritueller Neubeginn, bei dem man das vergangene Jahr bilanziert und bewusst mit Absicht ins neue Jahr tritt.


Ähnlich wirkt Nyepi, der balinesische Tag der Stille: 24 Stunden lang wird die Insel zur Ruhe gebracht, Strassen sind leer, Feuerwerk verboten, die Welt steht still, um Energie zu reinigen und Platz für ein bewusstes neues Jahr zu schaffen. Schliesslich feiern manche Regionen Indiens das Hinduistische Diwali nicht nur als Lichterfest, sondern auch als symbolischen Jahreswechsel: Häuser werden gereinigt, Lampen entzündet, Dunkelheit und Dämonisches vertrieben, um Platz für Licht, Fülle und inneren Neubeginn zu schaffen.


Unser Silvester ist also nur eine Perspektive unter vielen – ein Mix aus christlicher Tradition und älteren Bräuchen. Jede Kultur hat ihre eigene Art, Altes zu verabschieden und Neues zu begrüssen. Vielleicht ist es an der Zeit, deinen eigenen Jahreswechsel zu gestalten: ein Ritual, einen Moment der Reflexion oder bewusstes Loslassen. Ob im Dunkeln wie zu Samhain, beim Ahnen-Feiern wie in China oder beim Frühlings-Neustart wie in Persien – das Alte verabschieden und das Neue willkommen heissen ist universell menschlich.


Denn egal, wann und wie wir feiern: Neubeginn braucht Aufmerksamkeit, Intention und manchmal auch ein bisschen Magie. 


In diesem Sinne wünsche ich dir ein frohes, neues Jahr - egal wann du es feierst!

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Ich bin Nicole – urban aus Überzeugung, mystisch von Natur aus. Ich liebe schwarze Katzen, guten Chai oder Matcha und Gespräche, die spät am Abend anfangen und mit plötzlichen Erleuchtungen enden. Irgendwo zwischen Excel-Tabellen und Zauberkarten habe ich meine Berufung gefunden: Menschen zu helfen, das Chaos, die Magie und selbst die Montage zu verstehen.

Dies hier ist mein Kessel – ein Ort, an dem modernes Leben auf moderne Mystik trifft, gewürzt mit Neugier, einer Prise Rebellion und einer ordentlichen Portion Herz. Mach es dir gemütlich, gönn dir etwas Warmes zu trinken, und lass uns gemeinsam entdecken, welche Magie sich in unserem Alltag versteckt.

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