Im Rhythmus des Rückzugs – Schattenarbeit im November
- Nicole

- 2. Nov. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Wenn der Nebel über die Strassen zieht und die Tage stiller werden, beginnt eine andere Art von Zeitqualität – nicht die der lauten Feste, sondern die des ehrlichen Hinschauens. Der November ist eine Schwellenzeit. Zwischen dem goldenen Leuchten des Herbstes und der tiefen Ruhe des Winters lädt er uns ein, nach innen zu reisen. Es ist die Zeit, in der die Natur stirbt, um sich zu erneuern. Und vielleicht dürfen auch wir loslassen, was nicht mehr zu uns gehört.
Schattenarbeit ist kein düsteres Konzept. Sie ist ein Akt der Selbstfürsorge – ein liebevolles Wiederfinden jener Teile, die wir aus Angst, Scham oder Schmerz weggesperrt haben. Es geht nicht darum, das Dunkle zu bekämpfen, sondern es zu verstehen. Denn nur, was wir anerkennen, kann sich verwandeln.

Schattenarbeit ist kein Drama. Sie ist Rebellion.
Denn in einer Welt, die dich ständig auffordert, glücklich zu sein, ist das Hinsehen auf das Unbequeme ein Akt von Mut. Schattenarbeit bedeutet, dich nicht länger zu performen. Es bedeutet, dich zu spüren – echt, roh, ungeschönt.
Warum der November die perfekte Zeit dafür ist
Der November ist dafür gemacht. Er ist ehrlich. Er zeigt dir, was vergeht – und was bleibt, wenn du aufhörst, dich zu verstecken. Während draussen das Licht schwindet, wird es im Inneren heller. Der Rückzug nach innen geschieht fast von selbst – durch die Stille, durch den Nebel, durch die längeren Nächte. Es ist eine natürliche Einladung, die wir spüren, wenn wir innehalten: die Sehnsucht nach Tiefe, nach Wahrheit, nach Ganzheit. Diese Zeit erinnert uns daran, dass Wachstum nicht nur in der Blüte geschieht, sondern auch im Kompost. Dass Transformation immer mit Loslassen beginnt.
Journaling für die Schattenzeit
Wenn du dich dieser inneren Reise hingeben möchtest, kann Schreiben ein machtvolles Werkzeug sein. Mach’s dir bequem – mit Tee, Kerze, Lieblingsplaylist, oder einfach mit der Stille zwischen zwei Regentropfen. (Ich mag es jeweils auch ein paar Minuten in völliger Dunkelheit zu meditieren, danach bei Kerzenlicht zu beginnen. ) Dann schreib. Nicht schön. Nicht klug. Aber ehrlich und wahr - ganz einfach aus deim Herzen heraus .
🕯️ Was versuche ich zu vermeiden?
Oft liegt die grösste Angst dort, wo das grösste Wachstum wartet.
🌑 Was traue ich mich noch nicht anzuschauen?
Vielleicht ist es ein Gefühl, eine Erinnerung oder ein Teil deiner Geschichte, der Heilung sucht.
🍂 Woran halte ich fest, obwohl es mir Energie raubt?
Manchmal halten wir an Mustern fest, die uns einst geschützt haben, uns heute aber klein halten.
🌙 Welche Teile von mir fordern jetzt Aufmerksamkeit?
Vielleicht jene, die lange still waren. Vielleicht jene, die gelernt haben, sich anzupassen, statt zu leuchten.
Ein Ritual des Loslassens
Wenn du magst, kannst du diesen Prozess mit einem kleinen Ritual begleiten. Schreibe auf, was du loslassen möchtest – alte Glaubenssätze, Selbstbilder, Ängste – und verbrenne den Zettel achtsam (natürlich sicher).
Beobachte, wie der Rauch aufsteigt.
Visualisiere, wie sich die Energie verwandelt, wie Platz entsteht – für Neues, für dich.
Vielleicht legst du danach deine Hand aufs Herz und sagst dir leise:
"Ich bin bereit, mich ganz zu sehen."
Erinnerung
Schattenarbeit bedeutet nicht, dich zu „reparieren“. Sie ist eine Rückkehr zu dir – jenseits von Fassade, Pflicht und Perfektion. Wenn du lernst, mit deinen Schatten zu tanzen, wird Dunkelheit zur Tiefe. Schattenarbeit bedeutet, dich vollständig zu sehen – Licht und Dunkel, Stärke und Zerbrechlichkeit, Mut und Angst. Im November erinnert uns die Erde daran, dass alles zyklisch ist. Auch wir. Und dass selbst im tiefsten Dunkel der Samen für das neue Licht ruht.




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