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Nenn mich Hexe: Zauberhaft. Wütend. Weiblich.

  • Autorenbild: Nicole
    Nicole
  • 16. Mai 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 3. Jan.

Es gab eine Zeit, da konnte es dich das Leben kosten, als Hexe bezeichnet zu werden.Heute bringt es dir vielleicht ein Tarotdeck, einen Buchvertrag oder eine virale TikTok-Community ein. Und ehrlich? Wurde auch Zeit.


Aber lass uns eines klarstellen: Das Wort Hexe zurückzuerobern ist weder ein Trend noch eine Ästhetik noch ein Crystal-Core-Persönlichkeitsmerkmal (auch wenn ich einen guten Smoky-Quartz-Moment sehr zu schätzen weiss). Mich selbst als Hexe zu bezeichnen hatte nie damit zu tun, mystisch genug zu wirken. Es ging darum, meine eigene Autorität zurückzuholen – in einer Welt, die Frauen seit Jahrhunderten beibringt, sich selbst nicht zu trauen. Denn das Wort Hexe ging nie wirklich um Magie. Es ging immer um Macht.



Die Hexe war nie das Problem

Historisch wurde der Begriff Hexe genutzt, um Frauen zu markieren, die nicht in die vorgesehenen Schubladen passten. Frauen, die zu laut waren. Zu klug. Zu sexuell. Zu unabhängig. Zu wenig interessiert an männlicher Zustimmung. Hebammen. Heilerinnen. Witwen. Aussenseiterinnen. Frauen mit Meinungen. Frauen mit Grenzen.


Der Vorwurf hatte selten etwas mit Zaubern oder Geistern zu tun. Es ging um Kontrolle. Und auch wenn die "Rahmenbedingungen" heute andere sind – keine Scheiterhaufen, keine öffentlichen Prozesse –, ist der Impuls derselbe geblieben. Frauen werden noch immer sozial bestraft für genau dieselben Dinge. Wir gelten als zu emotional oder gar als hysterisch, wenn wir Emotionen zeigen. Als schwierig, wenn wir Grenzen setzen. Als zu viel, wenn wir Raum einnehmen. Als bedrohlich, wenn wir wissen, was wir tun.


Die Hexenverfolgung hat nicht aufgehört. Sie hat nur ihr Branding geändert une bei uns in Europa kostet sie uns seltener das Leben (wobei siehe Femizide). Hexe zurückzuerobern ist also keine Nostalgie. Es ist Verweigerung.


Sich selbst zu benennen ist Zauberarbeit

Ein Wort zurückzuerobern ist keine reine Sprachfrage. Es ist Zauberkunst. Sprache formt, wie wir uns selbst sehen. Sie sagt uns, was erlaubt ist, was erwünscht ist und was wir verstecken sollen. Wenn ein Wort über Jahrhunderte dazu benutzt wurde, zu beschämen, zum Schweigen zu bringen und zu kontrollieren, dann wird es zu wählen ein Akt des Widerstands.


Mich vor über 20 Jahren zum ersten Mal selbst als Hexe zu bezeichnen war ein Moment radikaler Selbstdefinition.


Es bedeutete zu sagen: Ich vertraue meiner Intuition. Ich vertraue meinem Körper. Ich vertraue meiner inneren Stimme mehr als äusserer Bestätigung. Und genau das ist zutiefst unbequem für ein System, das davon lebt, dass Frauen an sich selbst zweifeln. Hexe zu sein bedeutet für mich nicht, um Erlaubnis zu bitten. Es bedeutet, sich vollständig aus Respektabilitätspolitik auszuklinken. Nicht länger gefällig, handlich oder leicht verdaulich sein zu wollen. Ich muss nicht gerettet werden. Ich muss nicht erklärt werden. Und ich muss ganz sicher nicht kleiner werden.


Innere Autorität statt äusserer Zustimmung

Im Kern geht es beim Zurückerobern von Hexe um innere Autorität.

Um Bauchgefühl statt Schuldgefühl. Um Verkörperung statt Perfektion. Um Selbstvertrauen statt ständiger Selbstüberwachung. Eine Hexe hört zuerst nach innen. Nicht, weil sie irrational wäre – sondern weil sie weiss, dass Intuition eine Form von Wissen ist, die unser System nie ernst genommen hat.


In einer Kultur, die Frauen lehrt, Entscheidungen auszulagern, wird Selbstvertrauen zu einem radikalen Akt. Es geht dabei nicht darum, Logik oder Wissenschaft abzulehnen. Es geht darum, sich daran zu erinnern, dass Weisheit nicht nur im Kopf lebt. Sie wohnt ebenso im Körper, in Zyklen, in gelebter Erfahrung.


Mich selbst als Hexe zu bezeichnen war meine Art zu sagen: Ich darf Dinge wissen, ohne um Erlaubnis zu fragen.


Ruhe, Ritual und Verweigerung

Das moderne Leben kann erschöpfend sein. Leistungskultur lebt von Burnout, Dauerstress und der Idee, dass Wert gleich Produktivität und äusserer Validierung ist. Hexerei – oder wie auch immer du deine eigenen Praktiken von Präsenz und Fürsorge nennen möchtest – bietet ein Gegennarrativ. Sie ehrt Zyklen statt Dauerleistung. Energie statt Effizienz. Ruhe statt permanenter Optimierung.


Eine Kerze anzuzünden, bevor ich mein E-Mail-Postfach öffne, ist kein Eskapismus. Es ist Grenzsetzung.

Ritualen im Alltag Raum zu geben ist weder kitschig noch banal. Es ist die bewusste Entscheidung, nicht jeden Teil meines Lebens von Dringlichkeit, Kapitalismus und Performanz verschlingen zu lassen. In einem System, das davon profitiert, dass Frauen müde, getrennt von sich selbst und permanent überfordernd sind, ist Langsamkeit Selbstschutz. Und Selbstschutz ist ebenfalls politisch – auch wenn er leise ist.


Der Finale Zauber

Hexe zurückzuerobern geht nicht um Trends oder Provokation. Es geht ums Erinnern. Es geht darum, die Frauen vor uns zu ehren – jene, die ihrem Wissen vertraut haben, trotzdem gesprochen, trotzdem geheilt, trotzdem gelebt haben – und sich zu weigern, ihr Feuer zu Scham zu machen.


Also ja. Nenn mich Hexe. Ich nehme es als Kompliment. Denn wenn mir selbst zu vertrauen mich gefährlich macht, wenn meiner Intuition zu folgen mich irrational macht, wenn Raum einzunehmen mich zu viel macht – dann: Witch, don’t kill my vibe.

Kommentare


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Hallo, danke fürs Vorbeischauen!

Ich bin Nicole – urban aus Überzeugung, mystisch von Natur aus. Ich liebe schwarze Katzen, guten Chai oder Matcha und Gespräche, die spät am Abend anfangen und mit plötzlichen Erleuchtungen enden. Irgendwo zwischen Excel-Tabellen und Zauberkarten habe ich meine Berufung gefunden: Menschen zu helfen, das Chaos, die Magie und selbst die Montage zu verstehen.

Dies hier ist mein Kessel – ein Ort, an dem modernes Leben auf moderne Mystik trifft, gewürzt mit Neugier, einer Prise Rebellion und einer ordentlichen Portion Herz. Mach es dir gemütlich, gönn dir etwas Warmes zu trinken, und lass uns gemeinsam entdecken, welche Magie sich in unserem Alltag versteckt.

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