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Warum „Die Natur wollte es so“ kompletter Quatsch ist – die patriarchalen Mythen entzaubert

Oder: Biologie – aber bitte mit Patriarchat


Du sitzt in deinem Lieblingscafé, die Stadt summt um dich herum wie ein lebendiger Organismus, Scheinwerfer spiegeln sich auf regennassen Strassen, der Duft von Espresso kitzelt deine Nase, dein Matcha ist perfekt aufgeschäumt – und plötzlich hörst du es wieder.Diesen Satz. Dieses müde alte Flüstern vermeintlicher Wahrheit:„Biologisch gesehen bevorzugen Männer einfach jüngere Frauen.“


Ah. Natürlich. Irgendwo, in einer staubigen Ecke der Evolutionstheorie, galoppieren männliche Einhörner durch die Strassen und schnüffeln nach jungfräulichen Hexen, als wäre das Leben eine Schnitzeljagd und Jugend der Hauptpreis.Und während der Dampf aus deiner Tasse aufsteigt und die Stadt ihren geheimen Rhythmus summt, wird dir klar: So einfach ist das Leben nie. Nicht für Männer. Nicht für Frauen. Nicht für irgendwen, der jemals gewagt hat zu lieben, zu leben, zu existieren ausserhalb der Schubladen, die andere gebaut haben.


Alte Geschichten neu verpackt

Und ja, ich habe sie wirklich alle gehört. Die Klischees. Das „Es ist doch nur natürlich“, das „Die Biologie hat mich dazu verleitet“, oder diesen Ex, der ernsthaft sagte:„Es ist nur natürlich, dass ein Mann mit vielen Frauen schläft – er ist schliesslich seine Aufgabe seine Gene zu verbreiten.“ Der? Bringt mich bis heute zum Würgen … und gleichzeitig zum Kichern. Denn mal ehrlich: Hast du schon mal bemerkt, wie viele mittelmässige Männer glauben, ihre Gene müssten unbedingt weitergegeben werden? Aber das ist eine andere Geschichte.


Muster erkannt? Check. Biologie ist nicht neutral – sie ist ein Samthandschuh, der einen sehr scharfen Machtanspruch verbirgt. Die „Natur“ der Männer wird glorifiziert, die „Natur“ der Frauen wird geprüft, kontrolliert, beschämt, zurechtgestutzt, ordentlich in gesellschaftliche Komfortzonen gefaltet. Und manchmal wiederholen sogar Frauen diese Geschichten – immer noch mit aktivierten Patriarchatsfiltern – kleine Echos eines Systems, das uns kleiner, leiser, weniger strahlend haben will.


Doch hier kommt der Twist: Wissenschaft existiert. Echte, chaotische, faszinierende Wissenschaft. Und wenn man das „ist halt Biologie“ und die Samthandschuhe auszieht, zeigt sich eine ganz andere Geschichte. Eine, die Frauen nicht schrumpft, Ungleichheit nicht entschuldigt und Macht nicht auf dem Silbertablett serviert.


Also: Lass uns unseren Chai nippen – oder was auch immer du gerade in deiner Lieblingstasse hast – uns in das Summen der Stadt einstimmen und die hartnäckigsten Mythen auspacken, die man uns über Männer, Frauen, Begehren und Macht erzählt hat.


Denn ja: Biologie existiert. Aber Mythen? Die sind zum Glück optional.


Mythos 1: „Männer wollen jüngere Frauen – das ist biologisch“

Ah ja, die klassische Erzählung: Jugend gleich Fruchtbarkeit, also sind Männer biologisch darauf programmiert, jüngere Frauen zu bevorzugen. Erstens: Wäre das tatsächlich so, würde es im Kern bedeuten, dass Frauen im patriarchalen Denken nur als Gebärmaschinen gelten – nicht mehr, nicht weniger. Und das, meine Lieben, ist Misogynie in Reinform.


Zum Glück ist die Realität jedoch sehr viel komplexer, spannender – aber auch sehr viel unbequemer für patriarchale Märchen. Ja, die weibliche Fruchtbarkeit verändert sich mit dem Alter (was auch Sinn ergibt, denn einen Menschen im eigenen Körper heranwachsen zu lassen ist ein biologisches Hochleistungsprojekt). Aber wusstest du, dass sich auch die männliche Fruchtbarkeit verändert? Spermienqualität, Beweglichkeit und DNA-Integrität nehmen ab, besonders ab etwa 35–40 Jahren. Und trotzdem belehrt die Gesellschaft fast ausschliesslich Frauen über ihre „tickenden Uhren“, während alternde Männerkörper unter einem Tarnumhang der Unsichtbarkeit durchgleiten.


Und dann kommt gerne das Tierreich-Argument, meist mit einem selbstzufriedenen Lächeln:„Schau doch in die Natur – Männchen wählen immer junge Weibchen. Das ist Biologie.“ Lass uns das kurz auseinandernehmen. Erstens: Wir sind keine Löwen oder Gorillas. Wir paaren uns nicht nach Hitzezyklen unter der Savannensonne. Zweitens: In vielen Tierarten konkurrieren Männchen um Weibchen, ja. Aber wenn wir diese Logik wirklich konsequent zu Ende denken, müssten Frauen die gesündesten, fittesten, fruchtbarsten Partner wählen – also tendenziell jüngere Männer, nicht ältere. Plötzlich wirkt die Geschichte von der „biologischen männlichen Berechtigung“ ziemlich … praktisch konstruiert.


Und hier kommt der eigentliche Tee: Anziehung, Partnerwahl und Begehren werden nicht nur von Biologie bestimmt. Kultur, Sozialisation, persönliche Geschichte und Machtverhältnisse mischen mit – wie Milchschaum auf deinem Matcha. Diese „Präferenz“, von der alle flüstern, ist kein Schicksal. Sie ist eine Geschichte. In einen Laborkittel gepackt und mit patriarchalem Glitzer bestäubt.


Also wenn das nächste Mal jemand sagt: „Es ist halt biologisch“,neig den Kopf, nimm einen Schluck und lächle wissend: Schatz, Vorlieben sind kein Schicksal. Und ich habe nicht vor, mich kleiner zu machen.


Mythos 2: „Frauen sind von Natur aus bessere Fürsorgende“

Okay Ladies, einmal tief kollektiv seufzen: Frauen sind empathisch, nährend, emotional feinfühlig. Männer? Irgendwo ganz woanders. Beschäftigt damit, „praktisch“, „stoisch“, nicht zu vergessen „logisch“ zu sein – und natürlich „zu beschäftigt, um Gefühle zu bemerken“.


Science Check: Fürsorge ist nicht angeboren, sie ist gelernt. Situativ. Tief kulturell geprägt. Von klein auf werden Mädchen – oft ganz subtil – dazu erzogen, zu trösten, vorauszudenken, Stimmungen zu regulieren und emotionale Verantwortung zu übernehmen. Jungen hingegen wird häufig genau das abtrainiert. Empathie ist kein Chromosom. Empathie ist eine Fähigkeit. Und sie blüht dort, wo Menschen sie üben dürfen.


Und jetzt höre ich euch schon:„Aber wir haben unsere Kinder nie in Geschlechterrollen gedrängt. Unsere Tochter liebte ihre Puppen, unser Sohn liebte seine Autos. Wir haben sie einfach machen lassen. Das ist doch gut, oder?“ Absolut. Raum für eigene Vorlieben zu lassen ist wichtig. Aber hier kommt der Teil, den wir gern übersehen: Selbst wenn Eltern bewusst zurücktreten, flüstert die Kultur weiter. Bücher. Serien. Spielplatz-Dynamiken. Die „Jungs weinen nicht“-Blicke von Verwandten. Die „Mädchen sind halt sensibel“-Seufzer von Lehrpersonen oder Freunden.


All das legt sich Schicht für Schicht darüber. Wahlfreiheit ist wichtig, ja. Aber die Freiheit, Empathie, Fürsorge und emotionale Kompetenz wirklich zu entwickeln? Das ist eine gesellschaftliche Praxis, kein einzelnes elterliches „Ja oder Nein“.


Also ja: Feiere die Puppen. Feiere die Autos. Feiere jedes Spiel, das sich richtig anfühlt. Aber vergiss nicht: Fürsorge und emotionale Intelligenz wachsen nicht durch ein Spielzeug oder ein Zuhause allein. Sie brauchen eine Welt, die ihnen erlaubt zu blühen.


Das heisst also: Männer sind genauso fähig zu Mitgefühl, Fürsorge und emotionaler Feinfühligkeit. Das Patriarchat verpackt die Geschichte der „natürlich fürsorglichen Frau“ nur deshalb so hübsch, um Frauen unsichtbar zu machen, zu überlasten und moralisch für das emotionale Wohlergehen aller anderen verantwortlich zu erklären. Und ja, manchmal geben sogar Frauen diese Geschichten weiter. Aber das ist nur der Patriarchatsfilter, der spricht. Nicht deine Wahrheit. Nicht deine Magie.


Wenn du dich also jemals gefühlt hast, als würdest du den emotionalen Koffer für alle tragen: Atme.

Das ist kein Schicksal, Darling. Das ist Konditionierung. Und wenn du möchtest, darfst du dieses Gepäck auch wieder zurückgeben. Oder es vorher noch mit ein bisschen Hexenstaub versehen.


Mythos 3: „Frauen sind nicht so gut in Karriere, Mathe oder Führung“

Dieser alte, müde Klassiker: Frauen seien weniger fähig, weniger ehrgeizig, weniger geeignet für Macht, Status und Verantwortung. Lass uns vorbereiten zum: kollektiven Augenrollen und einem tiefem Schluck Chai.


Science Check: Nope. Es gibt keinerlei biologische Belege dafür, dass Frauen schlechter in Führung, Mathematik, Technologie oder Finanzwesen sind. Unterschiede in Karrieren entstehen durch: Bias.Zugang.Chancen. Und die systematische Abwertung von Arbeit, die mit Frauen assoziiert wird. Plus: frühe Prägung in der Kindheit.


Nehmen wir Tech. Frühe Programmierung galt lange als „Frauenarbeit“: schlecht bezahlt, niedrig im Status, unsichtbar. Dann kamen Männer in die Branche. Plötzlich war exakt dieselbe Arbeit prestigeträchtig, hochbezahlt und „systemrelevant“. Nicht, weil sie über Nacht schwieriger geworden wäre. Sondern weil Männer Autorität beanspruchten – und das System ihnen folgte. Klassischer Patriarchats-Move: Einfach umettiketiert zu männlichem Erfolg.


Und vergessen wir nicht: Berufe, die historisch von Frauen dominiert werden – Pflege, Bildung, Administration, Betreuung – verlangen enormes Können, Verantwortung und emotionale Arbeit. Und trotzdem werden sie schlechter bezahlt und weniger ernst genommen. Währenddessen werden Frauen in „männlichen“ Karrieren schnell als „zu aggressiv“, „unweiblich“ oder „emotional“ abgestempelt. Gleiche Handlung.Anderes Geschlecht.Andere Bewertung.


Führung, Intellekt, Ehrgeiz – das sind menschliche Eigenschaften. Das Patriarchat entscheidet nur, wer dafür bewundert wird und wer dafür bestraft. Also ja, wenn jemand flüstert:„Frauen sind dafür nicht gemacht“nimm einen Schluck Chai ,lächle wissendund denk dir: Schatz, das Universum hat mir keine Grenzen gesetzt. Das war nur ein altes patriarchales Märchen, das versucht, meine Magie zu kappen.


Mythos 4: „Männer werden von ihren Trieben gesteuert; Frauen müssen ihr Verlangen kontrollieren“

Ah ja – die klassische Geschichte, die jeder selbsternannte „Biologie-Experte“ gern flüstert: Jungs sind halt Jungs, Mädchen müsten es aber besser wissen. Männer sind wild, impulsiv, sexuell und total „instinktgesteuert“, während Frauen die moralischen Torwächterinnen sind, die ihr Verlangen kontrollieren (oder oft auch gar keines haben sollen, ist ja natürlich für Frauen haha) und die Verantwortung für die Gefühle aller anderen tragen sollen.


Science Check: Libido ist menschlich – kein geschlechtsspezifischer Schalter. Sie variiert stark von Person zu Person, über Lebensphasen hinweg, und unter dem Einfluss von Hormonen, Stress, psychischer Gesundheit, Trauma, Beziehungen, kulturellen Botschaften und sogar Schlaf. Männer sind nicht zwangsläufig dazu verdrahtet, hinterherzurennen, und Frauen sind nicht automatisch die Moderatorinnen des Universums. Verlangen ist kein Schicksal.


Hier kommt der Clou: Das Patriarchat hat die Verantwortung stillschweigend unter dem Deckmantel der Biologie umverteilt. Männer werden für ihre „natürlichen Triebe“ entschuldigt, während Frauen erwartet wird, männliches Verhalten vorherzusehen, zu verhindern und zu managen. Wenn etwas schiefläuft, lautet die Frage selten: „Warum hat er das getan?“ – stattdessen heißt es: „Warum hat sie es nicht verhindert?“ oder das bekannte „Was hatte sie denn an?“-Falle. Klassische Ablenkung.


Wahrheit: Selbstregulation, Grenzen setzen und Verantwortung übernehmen sind menschliche Fähigkeiten – keine geschlechtsspezifischen Pflichten. Jeder ist für sein eigenes Handeln verantwortlich. Also, das nächste Mal, wenn jemand murmelt „es ist Biologie“, nimm einen Schluck Chai, neig den Kopf und denk dir: Schatz, Verantwortung ist nicht optional. Und meine Magie? Die braucht keine Erlaubnis von jemand anderem.


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Noch ein wichtiger Punkt – so unangenehm er auch sein mag:

(Hinweis: sexualisierte Gewalt)


Vergewaltigung ist niemals ein „Triebproblem“; es ist immer ein Machtproblem. Sexualisierte Gewalt ist niemals ein Ausdruck von Zuneigung oder Lust, sondern von Machtstreben, Anspruchshaltung und Entmenschlichung (Objektifizierung) – manchmal begleitet von Hass. Bei sexualisierter Gewalt ist sexuelles Verlangen nicht die Ursache, sondern lediglich die Form, durch die ein tieferliegendes Bedürfnis nach Kontrolle und Macht ausgedrückt wird. Erklärungen von sexualisierter Gewalt durch Biologie entschuldigen das Verhalten und verschieben die Verantwortung vom Täter auf das Opfer – und genau dort gehört sie nicht hin.


Mythos 5: „Männer sind von Natur aus aggressiv, dominant und ehrgeizig – dank Testosteron“

Ah, der Evergreen des Patriarchats: Männer seien „verdrahtet“, zu dominieren, zu konkurrieren und nach Macht zu streben – und Testosteron ist der Sündenbock. Einfach. Übersichtlich. Und oh-so-bequem. Männer sind ehrgeizig, Frauen… nun ja, sollen höflich, ruhig und unterstützend bleiben.


Science Check: Hormone wie Testosteron beeinflussen gewisse Tendenzen, ja – aber Kontext ist wichtig. Die Werte schwanken mit Stress, Schlaf, Betreuung, sozialem Status und Lebensumständen. Männer und Frauen haben beide Testosteron. Es kann Antrieb verstärken ja absolut, aber es erzeugt keine Dominanz, Risikobereitschaft oder Führungsambitionen aus dem Nichts. Biologie ist kein Schicksal, dem wir hilflos ausgeliefert sind.


Hier kommt der Clou: Das Patriarchat verlässt sich nicht nur auf Biologie – es belohnt bestimmtes Verhalten je nach Geschlecht unterschiedlich. Durchsetzungsvermögen, Wettbewerbsfähigkeit, Risikobereitschaft? Männer werden gefeiert; Frauen gelten als „bossy“, „emotional“ oder „aggressiv“ oder "naiv". Führung bei Männern? Genie. Führung bei Frauen? Überkompensation. Gleiche Handlung. Andere Bewertung – weil die Gesellschaft entscheidet, wessen Macht gültig ist.


Und das ist überall: Politik, Unternehmensleitern, Finanzen, sogar im Freundeskreis. Das Patriarchat erzählt uns gern: „Das ist natürlich, so funktionieren Menschen.“In Wirklichkeit ist alles sozialisiert, selektiv und zutiefst bequem.


Also, das nächste Mal, wenn jemand seufzt: „Es ist Testosteron, es ist Biologie“, nimm einen Schluck Chai, neig den Kopf und denk: Schatz, Macht wird nicht geschenkt – sie wird ergriffen.Und meine Magie? Oh, die ist längst in Bewegung.


Fazit

Ach, und noch etwas: diese Mythen zeigen uns übrigens nicht nur, wie sehr das Patriarchat Frauen einschränkt, überlastet und klein hält. Sie verraten auch, wie sehr Männer darunter leiden – dass sie immer stark, dominant, sexuell „getrieben“ und emotional unverwundbar sein müssen. Auch ihnen wird ein unsichtbares Korsett angelegt, das niemandem wirklich guttut. Am Ende schadet das Patriarchat allen Menschen – nur die Geschichten, die wir uns erzählen, unterscheiden sich nach Geschlecht.

Kommentare


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Hallo, danke fürs Vorbeischauen!

Ich bin Nicole – urban aus Überzeugung, mystisch von Natur aus. Ich liebe schwarze Katzen, guten Chai oder Matcha und Gespräche, die spät am Abend anfangen und mit plötzlichen Erleuchtungen enden. Irgendwo zwischen Excel-Tabellen und Zauberkarten habe ich meine Berufung gefunden: Menschen zu helfen, das Chaos, die Magie und selbst die Montage zu verstehen.

Dies hier ist mein Kessel – ein Ort, an dem modernes Leben auf moderne Mystik trifft, gewürzt mit Neugier, einer Prise Rebellion und einer ordentlichen Portion Herz. Mach es dir gemütlich, gönn dir etwas Warmes zu trinken, und lass uns gemeinsam entdecken, welche Magie sich in unserem Alltag versteckt.

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