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Kunstmagie ist nicht dazu da, gut in Kunst zu sein

… sondern um dich daran zu erinnern, warum du überhaupt erschaffst


Neues Jahr, neues …? Nein. Fuck that. Lass uns über Kreativität sprechen. Jeden Januar füllt sich die Stadt mit Spiegeln. Schaufenster. Fitnessstudio-Fassaden. Vision Boards, getarnt als gute Vorsätze. Wir werden eingeladen, uns neu zu erfinden.Uns zu optimieren.Zu polieren, was sich noch unfertig anfühlt. Unproduktiv. Noch nicht ganz perfekt.


In diesem Denken steckt eine leise Lüge – mitten im Herzen dessen, wie wir über (Selbst-)Ausdruck und Kreativität sprechen. Sie klingt zunächst harmlos:Manche Menschen sind einfach von Natur aus kreativ. Andere eben nicht. Dicht gefolgt von ihrer giftigeren Schwester:Du darfst dich nur ausdrücken, wenn du gut darin bist.


Und irgendwie wird auch die Kunst in dieses Skript gezogen. Kreativität wird zu einem weiteren Werkzeug der Selbstoptimierung.Zu einer Strategie.Zu einem Versprechen, dass wir es diesmal richtig machen. Denn diesmal bist du eine „echte“ Kreative.Diesmal bist du die Geheilte.Die Selbstsichere.Die Version von dir, die aufgeräumt wirkt, leuchtend, vollständig. Und wenn deine Kreativität nichts zu diesem polierten Selbst beiträgt –wenn sie chaotisch ist, unsicher, emotional, unbequem oder scheinbar nutzlos –verliert sie leise ihren Wert. Plötzlich geht es in der Kunst nicht mehr um Ausdruck. Nicht mehr um Schaffen.Sondern darum, die richtige Art Mensch zu werden.


Hier liegt die eigentliche Lüge: Kreativität war niemals ein Werkzeug zur Selbstveredelung. Kunstmagie beginnt dort, wo das Ideal des perfekten Selbst zusammenfällt — und Ausdruck mehr zählt als Optimierung.



Kunst war nie als Performance gedacht

Irgendwann wurde Kunst rekrutiert. Man verlangte von ihr, sich zu rechtfertigen.Produktiv zu sein.Schön.Verkäuflich.Teilbar. Man verlangte von ihr, sich ihren Platz zu verdienen. Und damit wurde sie mit deinem Wert verknüpft.Sie sollte dich heilen.Dich branden.Motivieren.Dein Innenleben wieder lesbar, vorzeigbar, verwertbar machen. Dabei ging etwas Wesentliches verloren.


Ja – Kunst kann transformierend sein. Das ist sie auch oft. Aber Transformation ist nicht Optimierung.

Kunstmagie fragt nicht: Wer wirst du? Sondern: Was will durch dich hindurch?

Das sind zwei völlig unterschiedliche Fragen. Verbesserung will nach oben. Ausdruck bewegt sich in die Tiefe. Kunstmagie verweigert die das Emporklimmen der Leiter. Sie fragt auch nicht, was du produzieren kannst. Sondern, was du berühren und tranformieren kannst. Deine inneren Bilder. Deine Emotionen. Sogar deine halbfertigen Gedanken. Die Teile von dir, die nicht in ganzen Sätzen sprechen. Und was du dafür brauchst, ist keine Technik. Es ist Präsenz.


Fähigkeit ist ein sozialer Vertrag – Ausdruck ein Puls

„Gut in Kunst zu sein“ ist eine ausgehandelte Vereinbarung. Sie hängt von kulturellem Geschmack, historischem Kontext, dem Zugang zu Bildung und davon ab, wer überhaupt Raum einnehmen durfte. Auch Perfektion ist eine soziale Erfindung – eine mit sehr verengtem Blick. Für die Magie, insbesondere für die Kusntmagie ist sie daher irrelevant. Denn sie geschieht vor einer bestimmten Technik, vor allem aber auch vor irgendeiner Zustimmung. Sie lebt im rohen Moment des Kontakts – wenn sich etwas in dir regt und eine Spur hinterlässt. Diese Spur braucht keinen Beifall. Sie braucht Aufmerksamkeit. Diese Spur ist der Zauber.


Warum so viele Menschen ihre Kreativität verloren haben

Die meisten Menschen haben nicht aufgehört zu erschaffen, weil ihnen Talent fehlte. Sie haben aufgehört, weil sie gelernt haben, sich selbst zu beobachten. Sich in allem zu bewerten und zu korrigieren. Zu vergleichen. Urteile vorwegzunehmen. Kreativität überlebt keine Überwachung. Schon gar nicht in Körpern, die früh gelernt haben, vorsichtig zu sein – Frauen – queere Menschen – selbsible Personen – Menschen, die schon früh gelernt haben, dass Perfektion sicherer war als Präsenz

Kunstmagie ist daher eine eine Rückeroberung. Nicht von Können. Sondern von Erlaubnis.


Kunstmagie als rebellischer Akt

Zu erschaffen, ohne nach Exzellenz zu streben, ist leise radikal. Es verweigert – Produktivität mit Wert gleichzusetzen – Gehorsam mit Schönheit oder Güte – und Sichtbarkeit als Bestätigung. Kunstmagie wählt Intimität statt Ergebnis. Prozess statt Beweis. In einer Welt, die ständig fragt: Wozu führt das?

antwortet sie: Das führt zurück zu mir.


Du brauchst keine bessere Version von dir

Du brauchst nicht mehr Disziplin.Oder Klarheit. Oder eine klar definierte, artistische Identität. Du musst niemand anderes werden und auch nicht irgendwo 'hineinpassen', um erschaffen zu dürfen. Kunstmagie beginnt mit Kontakt. Mit deinem Körper. Mit dem Material. Mit dem Moment, in dem du gerade bist. Eine Linie ohne Absicht (für viele sehr schwierig auszuhalten). Ein Satz, geschrieben und in Ruhe gelassen. Ein Foto für niemanden.Kein Publikum. Kein Ziel. Nur Präsenz. Und übrigens:Du brauchst kein Atelier. Keine teuren Werkzeuge. Keine Personal Brand.


Alles, was du brauchst, sind ein paar ungestörte Minuten, etwas, womit du Spuren machen kannst und die Bereitschaft, neugierig zu bleiben. Kunstmagie problemlos in kleinen Wohnungen. In Stadtküchen. In Zügen. Sogar zwischen E-Mails. Sie gehört ins alltägliche Leben.

Wenn du also bereit bist: Nimm ein Blatt Papier. Mach eine Markierung. Kein bestimmtes Symbol. Nichts Bedeutungsvolles. Nur eine Spur. Dann hör auf. Spür, wie es sich anfühlt, sie nicht zu verbessern.

Dieser Moment –in dem du nichts korrigierst, erklärst oder rechtfertigst –genau dort lebt die Magie. Und ja: Am Anfang kann es jucken. Es kann unangenehm sein, es so stehen zu lassen. Aber mit der Zeit wirst du sehen: Du lernst, es so zu lassen, wie es ist. Irgendwo zwischen all den Worten über Kunstmagie muss ich an etwas denken, das Helena Bonham Carter einmal gesagt hat:

"If you're trying to create something, you've got to not give a fuck" 

(In etwa: Wenn du versuchst etwas zu kreieren, dann muss es dir scheiss egal sein)


Am Ende geht es bei Kunstmagie also nicht darum, 'gut' in Kunst zu sein. Es geht darum, dich daran zu erinnern, dass Ausdruck niemals etwas war, das du dir verdienen musstest.


Kommentare


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Hallo, danke fürs Vorbeischauen!

Ich bin Nicole – urban aus Überzeugung, mystisch von Natur aus. Ich liebe schwarze Katzen, guten Chai oder Matcha und Gespräche, die spät am Abend anfangen und mit plötzlichen Erleuchtungen enden. Irgendwo zwischen Excel-Tabellen und Zauberkarten habe ich meine Berufung gefunden: Menschen zu helfen, das Chaos, die Magie und selbst die Montage zu verstehen.

Dies hier ist mein Kessel – ein Ort, an dem modernes Leben auf moderne Mystik trifft, gewürzt mit Neugier, einer Prise Rebellion und einer ordentlichen Portion Herz. Mach es dir gemütlich, gönn dir etwas Warmes zu trinken, und lass uns gemeinsam entdecken, welche Magie sich in unserem Alltag versteckt.

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