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Narrative Kunstmagie als moderne Zauberei


Manche fragen sich vielleicht, was Narrative Kunstmagie (engl. Narrative Art Magick) überhaupt bedeutet. Es ist kein Begriff, der in der magischen Community weit verbreitet ist – erst recht nicht im deutschsprachigen Raum. Und doch ist er in meiner Welt zu einer der wesentlichsten Formen von Zauberarbeit geworden. Für mich beginnt Narrative Kunstmagie manchmal ganz unspektakulär in meiner Küche. Nicht in einem Tempel. Nicht im Wald. Sondern zwischen einer halbfertig getrunkenen Tasse Chai, einer Pflanze, die dringend Wasser braucht, und einem Notizbuch, das schon unzählige Geschichten gesehen hat.


In der Luft liegt meist eine stille Schwere. Nicht dramatisch. Eher der Nachhall davon, Mensch zu sein in einer Welt, die viel verlangt. E-Mails, Emotionen, Schlagzeilen, Erwartungen. Und dann gibt es diesen Moment, in dem ich mich entscheide, innezuhalten. Ich setze mich. Ich öffne eine Seite. Ich nehme einen Stift in die Hand. Oder eine Schere. Oder einen Klebestift. Oder ein Lied, das sich wie Wahrheit anfühlt.


Und plötzlich verändert sich der Raum. Nicht, weil die Realität verschwindet. Sondern weil ich ihr anders begegne. Nicht mehr nur überlebend, sondern anwesend. Nicht mehr betäubt, sondern lauschend. Hier lebt Narrative Kunstmagie für mich. In diesen stillen Momenten von Autorinnenschaft. In der Entscheidung für Geschichte statt Erstarrung. Für Sinn statt Chaos. Für Präsenz statt Performance.


Narrative Kunstmagie ist die Praxis, die eigene Innenwelt durch Geschichte, Bild und Sprache zu formen. Es ist der Ort, an dem Psychologie auf Hexenkunst trifft. Wo Trauma auf Poesie trifft. Wo das Unterbewusstsein einen Stift bekommt und endlich sprechen darf.


Lange Zeit hatte ich keinen Namen dafür. Ich wusste nur, dass Schreiben mich gerettet hat. Dass Bilder Emotionen halten konnten, die ich nicht aussprechen konnte. Dass Rituale Psychologie verkörpert fühlbar machten. Dass Storytelling die Art war, wie mein Nervensystem atmete. Dass Kreativität kein Hobby war, sondern eine Sprache, der meine Seele vertraute.


Später, als ich über Trauma, Arbeit mit inneren Anteilen, Nervensystemregulation und die Kraft innerer Narrative lernte, machte es Klick. Was ich all die Zeit praktiziert hatte, lebte an der Schnittstelle von Wissenschaft und Magie. Von Psychologie und Spiritualität. Von Struktur und Intuition. Narrative Kunstmagie als einfach "nur" schreiben. Schreiben ist nur eine der Türen.


Bei narrativer Kunstmagie geht es um Storytelling im tiefsten Sinn des Wortes. Es geht darum, wie wir Erfahrung in Bedeutung verwandeln. Wie wir das, was uns passiert, in etwas formen, mit dem wir leben, aus dem wir lernen und durch das wir uns verwandeln können.

Narrativ ist die Geschichte, die wir uns darüber erzählen, wer wir sind.Kunst ist die Form, die wir dieser Geschichte geben.Magie ist das, was geschieht, wenn diese Form uns verändert.

Ja, wir erzählen mit Worten. Aber auch mit Bildern. Mit Bewegung. Mit Ritualen. Mit Erinnerung. Mit der Art, wie wir unsere Räume gestalten. Mit der Art, wie wir zu uns zurückkehren, nachdem wir uns verloren haben. Geschichten sind älter als Papier. Älter als Sprache. Vor Tagebüchern gab es Körper.Vor Büchern gab es Feuer.Vor Affirmationen gab es Mythen, die zum Überleben geflüstert wurden.Wir haben uns schon immer selbst ins Dasein erzählt.


Narrative Kunstmagie macht diesen Prozess einfach bewusst. Sanft. Intentionell. Heilig.


Für mich wurde sie so kostbar, weil sie mir meine Autorinnenschaft zurückgegeben hat. Nicht über die Veränderung meiner Vergangenheit, sondern darüber, wie ich mit ihr lebe. Sie hat mich daran erinnert, dass ich mich nicht reparieren muss, um kraftvoll zu sein. Dass ich meinen Schmerz nicht polieren muss, damit er bekömmlich wird. Ich muss nur tief genug zuhören, um die Wahrheit zu erzählen. Sie hat mich gelehrt, dass meine Geschichte nichts ist, was ich verteidigen oder rechtfertigen muss. Sie ist etwas, das ich bewohnen darf.


Aus diesem Wissen ist diese Serie geboren.


Sie ist nicht hier, um dir beizubringen, wie man magisch ist.Du bist es bereits.Jedes Mal, wenn du Präsenz über Betäubung wählst.Bedeutung über Schweigen.Autorinnenschaft über Autopilot. Das hier ist also kein Tutorial. Es ist eine Öffnung.Eine Tür ins Journaling, ja.Aber auch in Collage, Ritual, Erinnerungsarbeit, Shadow Storytelling und Selbst-Autorinnenschaft als eine feministische, urbane, verkörperte Form von Magie.


Dies ist die erste Seite eines lebendigen Grimoires.Und du bist bereits Teil der Geschichte.


Kommentare


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Hallo, danke fürs Vorbeischauen!

Ich bin Nicole – urban aus Überzeugung, mystisch von Natur aus. Ich liebe schwarze Katzen, guten Chai oder Matcha und Gespräche, die spät am Abend anfangen und mit plötzlichen Erleuchtungen enden. Irgendwo zwischen Excel-Tabellen und Zauberkarten habe ich meine Berufung gefunden: Menschen zu helfen, das Chaos, die Magie und selbst die Montage zu verstehen.

Dies hier ist mein Kessel – ein Ort, an dem modernes Leben auf moderne Mystik trifft, gewürzt mit Neugier, einer Prise Rebellion und einer ordentlichen Portion Herz. Mach es dir gemütlich, gönn dir etwas Warmes zu trinken, und lass uns gemeinsam entdecken, welche Magie sich in unserem Alltag versteckt.

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